Aktuelle Forschung stärkt den IMSP-Lehransatz
Eine neue Untersuchung aus der Fleischwissenschaft stützt zentrale Prinzipien, auf denen das IMSP mit dem CONEXXUS® Didaktik Framework aufbaut: klare Lernziele, kontinuierliche Rückmeldung und wiederholte Kompetenznachweise.
Von Ronny Paulusch · 8. Oktober 2026

Vom Lernziel über die Übung zum nachvollziehbaren Kompetenznachweis.
Wer Fleisch professionell beurteilen will, braucht einen Lernweg, in dem das eigene Urteil immer wieder überprüft wird. Genau darauf ist das International Meat Sensory Program ausgelegt. Für den Start 2027 verbindet es fachliche Grundlagen mit wiederkehrender sensorischer Praxis. Eine am 5. Oktober 2026 veröffentlichte Untersuchung liefert dafür einen aktuellen Bezug aus der Hochschullehre. Das Meat Morning Briefing griff sie am 7. Oktober auf. [1, 2]
Was die Untersuchung zeigt
Aeriel D. Belk von der Auburn University beschreibt in Translational Animal Science den Einsatz von Standards-Based Grading im Hochschulkurs „Muscle Foods“. Dabei wird der Lernfortschritt an klar definierten Kompetenzen beurteilt. Für den Kurs wurden 40 Lernziele festgelegt. Nach zusätzlicher Lernarbeit konnten Studierende eine erneute Bewertung beantragen. [1]
Nach drei Semestern berichtet die Autorin im Abstract von hohen Noten, größerer Sicherheit im eigenen Wissen sowie weniger Prüfungsangst und Stress. Zugleich nennt sie den erheblichen Betreuungsaufwand und Bedenken der Studierenden zur Fairness. Die Untersuchung bezieht sich auf diesen Hochschulkurs. Sie stützt damit zentrale Prinzipien des IMSP-Lehransatzes, ist aber keine direkte Wirksamkeitsprüfung unseres Programms. [1]
Ein Ansatz, der bereits in der Planung steckt
Die Verbindung von Lernzielen, Übungen und Bewertung prägt meine Arbeit mit CONEXXUS® und mein Buch „Didaktik im Handwerk“, das im März 2026 erschien. Ausgangspunkt ist die Frage, was Teilnehmer am Ende sicher anwenden können sollen. Daraus ergeben sich die passenden Aufgaben und Kriterien. Auch der IMSP-Syllabus vom 3. Oktober dokumentiert diese Planung bereits vor Veröffentlichung des neuen Fachbeitrags. [3, 4]
Im IMSP heißt das beispielsweise: Reifeverfahren zu kennen, ist eine Grundlage. Eine sensorische Beobachtung fachlich zu begründen und daraus eine passende Empfehlung abzuleiten, ist eine weitergehende Fähigkeit. Das Training muss Gelegenheit geben, genau diese Handlung zu üben. Die Bewertung muss anschließend erkennen lassen, wie sicher sie gelingt.
Warum der Lernweg über acht Monate führt
Das Kernprogramm umfasst 216 Stunden in acht Ausbildungsmonaten von März bis November 2027, mit einer Sommerpause im August. 120 Stunden Präsenztraining an 16 Tagen werden durch 64 Stunden digitales Lernen und 32 Stunden eigenständige Tastingkiosk-Verkostungen ergänzt. Zwischen den zweitägigen Präsenzblöcken bleibt damit Raum, Inhalte anzuwenden und beim nächsten Termin erneut aufzugreifen. [4]
Die Dauer allein macht einen Kurs noch nicht wirksam. Entscheidend ist, was in dieser Zeit geschieht. CONEXXUS® sieht wiederkehrende Lernschritte mit Anwendung und Reflexion vor. Die aktuelle Untersuchung liefert keinen Beleg dafür, dass genau acht Monate optimal sind. Sie passt jedoch zu dem Grundgedanken, Lernentwicklung über den Kursverlauf sichtbar zu machen und weitere Lerngelegenheiten vorzusehen.
Wiederholen, vergleichen und das eigene Urteil prüfen
Im sensorischen Training lässt sich das konkret zeigen: Dieselbe Probe wird unter zwei unterschiedlichen Codes bewertet. Anschließend werden die eigenen Ergebnisse verglichen. Bei deutlichen Abweichungen entsteht eine fachliche Aufgabe. Welche Wahrnehmung war ausschlaggebend? Waren Temperatur oder Reihenfolge relevant? Welche Referenz hilft, das Urteil beim nächsten Mal genauer zu begründen?
Solche Vergleiche sind im IMSP wiederholt vorgesehen. Sensory-ID™ unterstützt die Dokumentation, damit frühere Bewertungen für die nächste Lernphase verfügbar bleiben. Teilnehmer können dadurch Schwankungen erkennen und gezielt an ihrer Urteilssicherheit arbeiten. Die digitale Plattform dient einem konkreten didaktischen Zweck. [4]
Klare Anforderungen an den Abschluss
Das Curriculum beschreibt die fachlichen Kompetenzen. Der Syllabus macht Lernweg, Arbeitsumfang und Leistungsanforderungen nachvollziehbar. Zum IMSP-Abschluss gehören eine schriftliche Fachprüfung, eine praktische Beurteilung einschließlich Kalibrierung und eine sensorische Facharbeit. Jeder Bestandteil muss mit mindestens 70 Prozent bestanden werden. So müssen Fachwissen und praktische Leistung jeweils nachgewiesen werden. [4]
Der Anschluss an aktuelle Forschung liegt für uns in dieser durchdachten Verbindung. Wir entwickeln den Kurs vom angestrebten Können her, planen Übung und Rückmeldung ein und machen die Anforderungen transparent. Der neue Fachbeitrag bestärkt diese Richtung. Für Teilnehmer zählt, dass sie auf diesem Weg lernen, ihr sensorisches Urteil fachlich zu begründen und im Berufsalltag verlässlich anzuwenden.
Quellen und Vertiefung
- Aeriel D. Belk: Implementing Standards-Based Grading to improve learning and retention in a meat science course. Translational Animal Science, txag155. Veröffentlicht am 5. Oktober 2026. Die Studienangaben beziehen sich auf den Abstract.
- Meat Morning Briefing: Fleischwissen wird belastbar, wenn Kompetenz mehrfach nachgewiesen wird. Ausgabe 043, 7. Oktober 2026.
- Ronny Paulusch: Didaktik im Handwerk. Abschnitte zu Lernzielen, Erinnern und Vergessen, CONEXXUS® und Prüfungslogik.
- IMSP Syllabus 2027 (PDF, Deutsch). Syllabus-Fassung vom 3. Oktober 2026.